Digitale Strategie 2025

23. August 2022 18:22 Uhr  |  Dr. Ulrich Kampffmeyer  |  Permalink


Das BMWi hat ihre neue Digitale Strategie 2025 vorgelegt: https://www.bmwk.de/Redaktion/DE/Publikationen/Digitale-Welt/digitale-strategie-2025.pdf?__blob=publicationFile&v=8.

Auf rund 40 Seiten Inhalt (von 60 Seiten insgesamt) finden sich wieder viele Allgemeinplätze, die man zum großen Teil bereits aus den vorangegangenen Konzepten und Strategien der Bundesregierung kennt. Das „Wissing Papier“ geizt mit konkreten Vorhaben. Ein Manko ist weiterhin, dass die Kompetenzen auf verschiedene Ministerien verteilt sind. Ob hier eine Digitalagentur Besserung verspricht? Alles was man bisher gerade im Bereich E-Government sah, verzögerte sich oder fand keine Akzeptanz. Und auch die Versprechen zum Infrastrukturausbau und digitalen Services für Unternehmen und Bürger haben sich in der Vergangenheit selten bewahrheitet.

Breitband Glasfaser-Internet steht ganz vorn und schon ewig auf der Wunschliste. Startups fördern – nichts Neues. Interessanter wird es schon beim Thema Europa und Digital Single Market, da von der EU die meisten neuen Vorgaben zum Thema Digitale Transformation kommen. Digitale Vernetzung – eine hehre Vision mit all den Schlagworten Smart Grid, Smart Meter, Smart Home, Smart Traffic, Smart City, E-Health, E-Learning, E-Government, E-Participation oder alternsgerechte Assistenzsystem. Davon sind wir weit entfernt. Man denke nur an das Debakel der E-Gov-Portale. „Die Datensicherheit stärken und
Datensouveränität entwickeln“ zielt auch auf Themen wie elektronische Signaturen, eIDAS, Vertrauensdienste, Datenschutz, Cyberkriminalität und andere. Die vorgeschlagenen Maßnahmen für KMU, Handwerk und Dienstleistungen klingen auch sehr bekannt. Förderung des Mittelstandes bei der Digitalen Transformation stand schon in vielen Papieren. Auch das Thema Industrie 4.0 darf natürlich nicht im Reigen fehlen. Auch hier Förderprogramme wie beim Mittelstand und Standortsbestimmungspapiere. Das Kapitel zu „Forschung, Entwicklung und Innovation“ bringt einige Vorschläge, ebenso wie „Digitale Bildung“. Kurzfristig, also bis 2025, wird sich hier aber kaum etwas bewegen lassen. Der letzte Abschnitt „Eine Digitalagentur als modernes Kompetenzzentrum ins Leben rufen“ soll der Bündelung von Kompetenzen, Unterstützung der politischen digitalen Agenda und dem nachhaltigen Aufbau von Digitalisierungskompetenz dienen. Solange Kompetenzen verteilt in verschiedenen Ministerien und Behörden liegen, wird eine solche Agentur nur zusätzlichen Overhead generieren. Aber lesen Sie selbst: https://www.project-consult.com/files/BMWi_Digitalstrategie_2025.pdf.

Inhaltsverzeichnis

I. Digitale Gesellschaft 2016 – Digitale Strategie 2025
II. Einleitung
III. Zehn Schritte in die Zukunft

  1. Ein Gigabit-Glasfasernetz für Deutschland bis 2025 aufbauen
  2. Eine Neue_Gründerzeit einleiten: Start-ups unterstützen und
    die Kooperation von jungen und etablierten Unternehmen fördern
  3. Einen Ordnungsrahmen für mehr Investitionen und Innovationen schaffen
  4. Die „Intelligente Vernetzung“ in zentralen Infrastrukturbereichen
    unserer Wirtschaft vorantreiben
  5. Die Datensicherheit stärken und Datensouveränität entwickeln
  6. Neue Geschäftsmodelle für KMU, Handwerk und
    Dienstleistungen ermöglichen
  7. Mit Industrie 4.0 den Produktionsstandort Deutschland modernisieren
  8. Forschung, Entwicklung und Innovation bei digitalen Technologien
    auf Spitzenniveau bringen
  9. Digitale Bildung in allen Lebensphasen realisieren
  10. Eine Digitalagentur als modernes Kompetenzzentrum ins Leben rufen

Information Management & Information Governance

Eine Reihe von Themen berühren auf unser Fachgebiet rund ums Informationsmanagement. Digitale Identitäten, Datensicherheit und Datenschutz sowie ein durchgängiger Rechtsrahmen für Aufbewahrung und Austausch digitaler Information werden angerissen. Beim Thema Digital Single Market ist die „Standort-Frage“ für Speicherung und Verarbeitung interessant, aber eigentlich schon durch die europäischen Vorgaben geregelt. Ob ein „Digital-Gesetzbuch“ hilft, die verstreuten, zum Teil widersprüchlichen oder veralteten Regelungen in den deutschen Gesetzen, zu vereinheitlichen? Hier finden sich bekannte Vorgaben wie TKG, DSGVO, E-Health, Smartmeter und andere. Wir glauben aber, dass die Bundesregierung noch nicht einmal einen Überblick hat, wo überall digitale Auswirkungen in Gesetzen vorliegen und wieso aktuell sogar Gesetze verabschiedet werden, die digital-kontraproduktiv sind. „Regulatorische Experimentierräume“ dürften hier eher nicht für Klarheit und Verbindlichkeit von Gesetzen und Verordnungen sorgen. Auch das Thema Datensicherheit und Datensouveränität ist für die Verarbeitung, Erschließung und Speicherung von Information relevant. Cloud, DSGVO, Bigdata, Identitäten werden in diesem nur dreiseitigen Abschnitt kurz angesprochen.

Fazit: wieder ein Katalog von Versprechen, die mangels Geld, gebündelter Kompetenz und konkreten Maßnahmen nur in 2025 in einen neuen Wunschkatalog münden werden.

Dr. Ulrich Kampffmeyer

Curriculum auf Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Ulrich_Kampffmeyer

2 Kommentare zu “Digitale Strategie 2025

  • Digitalisierung in der Verwaltung
    20. September 2022 um 12:40
    Permalink

    Die aktuellen Krisen in Bezug auf Umwelt, Kriege, Ressourcen und Energie erfordern entschlossene Maßnahmen, die Digitalisierung in Deutschland voranzutreiben. Hehre Ziele, wie die Digitale Strategie 2025, langen dabei bei weitem nicht.
    Die Wirtschaft, gerade die kleineren Unternehmen brauchen Förderung für die Umstellung auf digitalisierte Prozesse.
    Für die Bürger reichen irgendwelche Portal-Angebote von Services nicht – wenn dahinter weiterhin das Verwaltungs-Chaos papierbasierter Prozesse herrscht, wenn die Gittermappen weiterhin durch die Flure gerollt werden.
    Ja, es hat in der öffentlichen Verwaltung bereits ein Umbruch stattgefunden mit komfortableren Fachanwendungen, ortsunabhängiger Nutzung und Lösungen wie der E-Akte.  Aber dies sind häufig insuläre Lösungen und die Medienbruchvielfalt überwiegt. Föderale, regionale und lokale Vorgehensweisen sind nicht mehr tragbar. Auch das Ausschreibungswesen, dass häufig zu Einzellösungen führt, die vermeintlich „wirtschaftlich“ sind,  behindert mehr als dass es nützt. Aber es gilt die grundsätzlichen Probleme auf Ebene der Gesetze und Verfahrensvorschriften zu aktualisieren. Einige Gesetze und Verwaltungsvorschriften sind bereits auf das digitale Zeitalter ausgelegt, andere eher hinderlich. Auch aktuelle Entwicklungen, wie die Situation rund um Arbeitsverträge, scheinen weiterhin dem Papierzeitalter verhaftet. Letztlich geht es aber um die Verschlankung und Digitalisierung von Prozessen, damit die Digitalisierung nicht einfach als Elektrifizierung überkommener papierbezogener Prozesse, als „Elektrifizierung der vorhandenen Ineffizienz„, endet.

    Eine Reihe von Hindernisse in der öffentlichen Verwaltung und Politik müssen überwunden werden:

    • Einheitliche bundesweite Lösungen für Standard-Anwendungsfälle der Verwaltung. Föderalismus und Regionalismus sind hier fehl am Platz.
    • Überwindung des Medienbruchs zwischen Prozessen, zwischen Portalen und interner IT der Verwaltung, zwischen Anwendungen sowie zwischen Anwendungen und papierbasierten Prozessen.
    • Das Verfahrensrecht muss vereinfacht und auf die digitale Welt angepasst werden.
    • Einsatz elektronischer IDs und Signaturen, in vereinfachter Form als Fernsignaturen in Anwendungen, Apps und Mobilgeräten, auf allen Ebenen.
    • Mehr „Bringe-Schuld von Verwaltung und Politik gegenüber Unternehmen, Bürgern und Organisationen denn „Hole-Schuld“ für Information und Services.
    • Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen im Einsatz neuer Verfahren besser geschult und unterstützt werden.
    • Alte Verfahrensweisen und Denkmuster in den Köpfen – „das haben wir noch nie so gemacht, das dürfen wir so nicht, das kann doch nicht klappen, aber was ist mit der Sicherheit … – müssen durch gezielte Maßnahmen beseitigt werden.
    • Anwendungen für Prozesse und Dokumentenmanagement müssen vereinfacht und standardisiert werden. Mit „Sonderlocken“ und individuellen Wünschen muss Schluss sein.

    Meine Meinung seit Jahrzehnten, Ihre Meinung dazu?

    Antwort
  • Jede zweite Führungskraft ist mit der Digitalisierung der Verwaltung zufrieden ...
    25. September 2022 um 17:12
    Permalink

    … lautet der Titel eines Berichtes auf SPIEGEL.de https://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/digitalisierung-der-verwaltung-jede-zweite-fuehrungskraft-ist-zufrieden-a-b12d824c-ce8b-41c5-a882-f226d1b46817.

    Dort geht es um die Ergebnisse einer Studie der BCG Bosten Consulting Group und Centers for Digital Governance der Hertie School unter Führungskräften der öffentlichen Verwaltung. Die Antworten zeichnen ein deutlich positiveres Bild der Digitalisierungssituation als die öffentliche Wahrnehmung und die Ergebnisse anderer Erhebungen. Während die Zufriedenheit der Nutzerinnen und Nutzer von elektronischen Verwaltungsangeboten auf 47 Prozent sank – minus 15% im Vergleich zum Vorjahr – schätzt rund die Hälfte der Amts- und Behördenleiter die Situation recht gut ein. Allerdings heißt es auch hier, „es müsse noch viel getan werden“. Deutschland ist aktuell im europäischen Vergleich eines der Schlusslichte der Entwicklung von Diensten für die Öffentlichkeit, mehr noch in der Umstellung der internen Prozesse der Verwaltung. Das Bild, das die BCG-Studie zeichnet, ist in Summa jedoch wesentlich pessimistischer (und realistischer): https://web-assets.bcg.com/68/6d/8124871447abb5803a525b7183dd/bcg-deutschlands-verwaltung-bedingt-zukunftsfahig-r.pdf. Dort heißt es in der Zusammenfassung der wichtigsten sieben Ergebnisse:

    Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick

    1. Nur eine knappe Mehrheit der Führungskräfte hält die eigene Institution für zukunftsfähig. Dabei gibt es starke Unterschiede mit Blick auf die neun Dimensionen, die Zukunftsfähigkeit beschreiben.
    2. In puncto Daseinszweck, Führungsfähigkeiten und neue Arbeitswelt sehen die Befragten die Verwaltung als gut aufgestellt. Ein Großteil der befragten Führungskräfte ist mit den Zielen und dem Nutzen ihrer Behörde zufrieden. Drei von vier Teilnehmenden sehen die Führungsfähigkeiten bzw. die neue Arbeitswelt positiv.
    3. Defizite gibt es bei der Strategieumsetzung und der Fähigkeit, künftige Entwicklungen zu antizipieren. In zwei Dritteln der Behörden der teilnehmenden Führungskräfte sind langfristige Ziele vorhanden – allerdings mangelt es an expliziten Strategien sowie an deren strukturierter Implementierung. Rund 60 Prozent der befragten Führungskräfte äußern, es fehle die Fähigkeit, Trends und Disruptionen vorauszubestimmen und die eigene Behörde zukunftsfähig aufzustellen.
    4. Die Digitalisierung der Schnittstelle zu Bürger:innen und Unternehmen wird deutlich positiver bewertet als die Digitalisierung interner Verwaltungsabläufe. Eklatante Defizite sehen die Führungskräfte bei der Automatisierung von Prozessen (z. B. durch Robotic Process Automation) oder der Nutzung von Technologien der künstlichen Intelligenz im Kontext von Kern- und Entscheidungsprozessen.
    5. Organisatorische Strukturen und Arbeitsprozesse werden als insgesamt zweckmäßig für die Aufgabenerledigung und die Zusammenarbeit erachtet. Innovationsfördernd sind die aktuellen Strukturen jedoch nur bedingt.
    6. Auch in den Dimensionen Talente, Steuerung sowie Nachhaltigkeit offenbaren sich Schwachstellen. Nur zwei von drei Behörden kennen ihren langfristigen qualitativen und quantitativen Personalbedarf. Handlungsnotwendigkeit besteht zudem bei der Entwicklung nachhaltiger Personalkonzepte. Entscheidungen gehen meist langsam vonstatten, und die Steuerung ist selten datenbasiert. Das Handlungsfeld Nachhaltigkeit hält nicht einmal die Hälfte der befragten Führungskräfte (45 Prozent) in der eigenen Behörde für gut ausgeprägt.
    7. Zukunftsfähige Institutionen sind erfolgreicher in Krisen: Ein Aufholen in den Dimensionen der Zukunftsfähigkeit lohnt sich. Das hat sich an der Coronapandemie gezeigt, die von zukunftsfähigeren Institutionen viermal so häufig gut bewältigt wurde.

     

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